Crop.zone und Sikkation in Kartoffeln

Crop.zone und Sikkation in Kartoffeln

Crop.zone und Sikkation in Kartoffeln

Erhaltung der Kartoffelqualität nach Ende der rein chemischen Sikkation

Kartoffeln gehören nach Reis, Weizen und Mais zu den wichtigsten Nahrungspflanzen. 85% der Produktion dienen der menschlichen Ernährung. China der größte Produzent. Die Niederlande, Frankreich und Deutschland sind die größten Exportnationen und exportieren für hochwertige Kartoffelprodukte bis nach China. Zur Erzeugung hochqualitativer Kartoffeln ist die Sikkation , d.h. die gezielte Abreifung  der Kartoffeln unerlässlich, da die ursprünglich südamerikanische Pflanze in Mitteleuropa nicht natürlich abreift. Um Kartoffeln mit definierten Qualitätseigenschaften zu bestimmten Zeitpunkten schalenfest und damit gut transport- und lagerfähig erzeugen zu können, ist ein mehrstufiger, gesteuerter Abreifeprozess nötig. Das dazu vorzugsweise eingesetzte Sikkationsmittel Diquat (Reglone) ist seit 2020 auf Grund seiner Giftigkeit für den Anwender und Umstehende in Europa nicht mehr zugelassen. Weitere,  in Teilbereichen einsetzbare chemische Sikkationsmittel (Shark) stehen nur mit regelmäßigen Kurzzulassungen unsicher zur Verfügung. Der Einsatz von Pelargonsäure als neuem Wirkstoff ist möglich, erfordert aber hohe, kostenträchtige Einsatzmengen und wirkt nur begrenzt effektiv.  Auch die Kombination mechanischer und thermischer Methoden ist ökonomisch und auch energetisch sehr problematisch und führt in vielen Fällen nicht zu den gewünschten hohen Kartoffelqualitäten. Der alleinige Einsatz von elektrophysikalischen Methoden hat sich bei Versuchen (2018/2019 LWK NRW) als machbar herausgestellt, die Arbeitsbreiten von 3 m und der Energiebedarf erfordern jedoch eine grundlegende Optimierung um das System praxisreif zu machen.

Folglich werden weiterhin innovative Lösungen dringend gesucht, da die Kartoffelsikkation ein essenziellen Bestandteil der Kartoffelwirtschaft ist und z. B. der Anbau von Pflanzkartoffeln wüchsiger Sorten extrem von einer effizienten und schonenden Sikkation abhängig ist.

Das Ziel der Crop.zone Technologie ist es, den spezifischen Energieverbrauch  bei der Kartoffelsikkation durch die optimierte Formulierung der elektrophysikalischer Krautsikkation mit elektrohybriden Flüssigkeiten soweit abzusenken, dass auch mit hohen Arbeitsbreiten und entsprechend guten Flächenleistungen hochqualitative Kartoffeln erzeugt werden können. Gleichzeitig soll durch Absenkung der eingeleiteten Spannungen und die präzise Lenkung und Steuerung des Stromflusses auch das Erntegut auch bei schwierigen Bodenbedingungen und hohem, oft klimawandelbedingtem Hitze- oder Nässestress optimal geschont werden. Dazu integriert Crop.zone das Elektrohybrid-Verfahren in den mehrstufige und komplexe Prozess der Kartoffelsikkation auf der Basis eines breiten Verständnisses des Gesamtprozesses und setzt die Ergebnisse der 2020 laufenden Feldversuche in innovative technische Lösungen um, welche die Kartoffelbranche dringend benötigt.

Zu diesem Zweck werden verschiedene, spezifisch optimierte elektrische Applikatorgeometrien erprobt, die Arbeitsbreite beginnend von 6 m an weiter gesteigert und der Einsatz von elektrohybriden Flüssigkeiten am optimalen Wirkort erprobt. Die Versuche finden sowohl in Modellumgebungen als auch auf verschiedene Bodenarten unter stark kontrollierten Versuchsbedingungen gepaart mit einer intensiven Auswertung und Qualitätskontrolle des Erntegutes statt. Feldversuche mit verschiedenen professionellen Institutionen im europäischen Kartoffelbereich ergänzen die eigenen Tests. Auf dieser Basis wird dann für 2021 ein System mit deutlich größerer Arbeitsbreite entwickelt, wie es für die Kartoffelsikkation dringend erforderlich ist.  Gleichzeitig wird das systematisch erfasste Prozesswissen für die konkreten Anpassungen des Sikkationsprozesses an die jeweiligen Erfordernisse der einzelnen Regionen, Sorten, Böden, Verwendungszwecke und Wachstumsstadien genutzt. Dabei soll das bisher vorhandene Wissen und die Erfahrung aus der chemischen Sikkation wo immer möglich direkt adaptiert und übernommen werden. Für einzelne Anwendungsbereiche werden sich aber auch Sikkationsprozesse entwickeln, die mit der neuen Technologie komplett neu gedacht wurden.

Im ersten Schritt geht es darum, trotz der weggefallenen Sikkationshilfsmittel den Landwirten Technologien und Prozesse zur Verfügung zu stellen, die eine ökonomische, ökologische und qualitativ hochwertige Kartoffelproduktion auch unter den Randbedingungen von Green Deal und Klimawandel erlauben. Darüber hinaus bestehen gute Chancen, auch für den rein biologischen Landbau Sikkationsprozesse bereitzustellen, die den steigenden Qualitätsanforderungen und dem steigenden Umfang der biologischen Kartoffelproduktion entsprechen. Aus diesem Grund hat Crop.zone das nachhaltige Ziel, die eingesetzten elektrohybriden Flüssigkeiten zur Formulierung so umweltfreundlich und ökotoxikologisch vertretbar wie möglich zu gestalten.

Es ist die fortlaufende Aufgabe biologischer, chemischer und technischer Innovation auch im technologischen und regionalen Strukturwandel, für  Landwirtschaft und allen damit verbundenen Lieferketten, die notwendigen Hilfsmittel, Technologien und Prozesse  zur Verfügung zu stellen. Nur so kann eine flächensparsame Hochertragslandwirtschaft mit einem möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck der Menschheit zuverlässig genügend Nahrungsmittel liefern.

Wir arbeiten daran.

  • Date 4. September 2020
  • Tags agriculture, soil

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